Tarifvertrag einzelhandel textil nrw

Maria Souza

Managementstrategien, Branchenstruktur und Arbeitspraktiken im Einzelhandel sind heute komplexer und differenzierter als in der Vergangenheit. Die Auswirkungen dieses Prozesses auf den Bereich der Arbeitsbeziehungen sind jedoch ambivalent. Einige Tendenzen deuten auf einen reiferen sozialen Dialog hin, obwohl es auch Warnsignale für eine Erosion der Tarifverhandlungen gibt, die nicht nur auf den wirtschaftlichen Druck, sondern auch auf die “gewerkschaftsfreie” Ideologie einiger großer Einzelhändler zurückzuführen sind. In anderen Ländern wie Österreich, Finnland, Deutschland, Italien, Norwegen und Spanien ist die Deregulierung viel neuer und in vielen Fällen weiterhin umstritten – siehe Tabelle 10 unten. Das allgemeine Bild ist die Verlängerung der Öffnungszeiten an Wochentagen (einschließlich Samstagen) unter Beibehaltung einiger Beschränkungen für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen (wenn auch mit großzügigen Ausnahmen in bestimmten Ländern). In einigen Fällen haben sich die Gewerkschaften entschieden gegen eine solche Deregulierung ausgesprochen und dort, wo sie stattgefunden hat, versucht, ihre Anwendung durch Tarifverhandlungen so weit wie möglich einzuschränken. Dennoch scheint die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften in diesem Bereich recht begrenzt zu sein, und die Tarifverhandlungen betreffen hauptsächlich die Aushandlung von Ausgleichszahlungen für unsoziale Arbeitszeiten (in der Regel in Form von Lohn oder im Falle Deutschlands bei einer Auszeit). Die bemerkenswerteste Ausnahme bildet Slowenien, wo die Deregulierung der Sonntagsarbeit von den Gewerkschaften heftig angefochten und 2003 in einem von der Gewerkschaft initiierten nationalen Referendum abgelehnt wurde. Schließlich sind in einigen Ländern bestimmte Arten von “atypischer” Beschäftigung im Einzelhandel relativ häufig, wie z. B. “Scheinselbstständigkeit” in Italien und Österreich, “Minijobs” (mit einem Gehalt von weniger als 400 EUR pro Monat) in Deutschland, Leiharbeit in Spanien und Schwarzarbeit in Dänemark.

Die Struktur und Funktionsweise des Sektors ist je nach Lebensstandard, Verbrauch und Kaufgewohnheiten der Bevölkerung sowie gesetzlichen Regelungen, die sich mit Wettbewerb, Firmengröße, Ladenöffnungszeiten, Verbraucherschutz usw. befassen, sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen haben die nordeuropäischen Länder aufgrund einer besser entwickelten, groß angelegten Verteilung und eines intensiveren Konzentrationsprozesses im Laufe der Zeit tendenziell eine geringere Zahl von Einzelhandelsgeschäften.